Neue Konfrontation am Golf: Saudi-Arabien als Handlanger der USA?

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Katar schwelt schon seit Jahren, hat nun aber eine „ganz neue Qualität“ erreicht. So kommentiert der Nahost-Experte Werner Ruf, dass vier arabische Staaten, darunter Saudi-Arabien und Ägypten, ihre diplomatischen Beziehungen zum Emirat abgebrochen haben. Ruf verweist auf die Rolle des Erdgases im Hintergrund.

Der Schritt der Golfstaaten gegen Katar sei „eine Folge des Besuchs von Trump in Saudi-Arabien“, sagte Ruf im Gespräch mit Sputniknews. Der Golfkooperationsrat, in dem die Staaten bisher zusammenarbeiten, sei nun  erstmals gespalten, weil Katar die „aggressive saudische Politik“ nicht mitmachen wolle, ebenso wie Oman. Der Nahost-Experte erinnerte an den von den Herrschern in Riad geführten Krieg im Jemen, den er als „ganz klar eine fürchterliche Angelegenheit“ bezeichnete. Den bezahle die jemenitische Bevölkerung mit Hungersnot und Cholera, während im Westen unter anderem dazu geschwiegen werde, dass die saudische Luftwaffe die international geächteten Splitterbomben einsetze.

Es sei eine „neue Front gegen den Iran“, den Erzfeind der Herrscher in Riad, aufgemacht worden. Darauf würden auch die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump hinweisen, der das alte Feindbild wieder pflege. Ruf verwies zudem auf die „immer deutlichere Allianz zwischen Israel und Saudi-Arabien gegen diesen gemeinsamen Erzfeind“. Eigentlich gebe es keinen konkreten Anlass für die aktuelle Situation, meinte er. Die saudische Politik werde nun mit „deutlicher Unterstützung der USA“ fortgesetzt, aggressiver als bisher. Die offizielle Begründung, Katar würde Terrororganisationen wie den „Islamischen Staat“ (IS; auch Daesh) unterstützen, ist für den Wissenschaftler „ein Witz“.

Riad als ideologischer Terror-Unterstützer

Das Emirat am Golf spiele zum Beispiel im Konflikt in Syrien eine „unrühmliche Rolle wie alle Staaten der Region“. Als eigentlichen Grund für den drastischen Schritt der anderen arabischen Staaten sieht Ruf dagegen darin, dass Katar bisher „systematisch und seit Jahren die Muslimbrüder unterstützt, die für die Saudis sowas wie ein Teufelswerk sind“. Die Organisation würde immerhin politische Mechanismen wie Wahlen akzeptieren und von sozialer Gerechtigkeit sprechen – „eine Herausforderung ohnegleichen für die saudische Despotie“. Bei der Frage, wer den IS unterstützt, „sollte man zuerst einmal in Saudi-Arabien anfangen“, hob der Experte hervor. Das Königreich habe mit seiner wahhabitischen Ideologie die geistigen Grundlagen für den IS geliefert.

„Wenn das nun teilweise auf Saudi-Arabien zurückschlägt, dann sind das solche Nebenwirkungen, die man nicht vermeiden kann, wenn man Terroristen unterstützt. Aber: Die Ideologie des IS ist die Ideologie des Wahhabismus. Da muss sich auch der Westen an die eigene Nase fassen. Wir haben in Deutschland beispielsweise jahrelang nicht nur geduldet, sondern teilweise unterstützt die King Fahd-Akademie, wo genau diese Ideologie verbreitet wurde. Die ist vor kurzem zugemacht worden, aber nicht auf Druck der Bundesregierung, sondern weil den Saudis das Geld für diese Propaganda ausgeht.“

Konkurrenz wegen Erdgas als Hintergrund?

Ruf stimmte der Analyse von Guido Steinberg aus der regierungsfinanzierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zu, der kürzlich darauf hinwies, dass Saudi-Arabien zwar mit gegen den IS kämpfe, aber „Teil des Problems“ sei und weltweit Salafisten unterstütze. „Guido Steinberg hat da völlig Recht, wobei er sich meines Erachtens noch außerordentlich zurückhält.“ Der Nahostexperte erinnerte auch daran, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) Ende 2016 „völlig ungewöhnlich“ öffentlich darauf aufmerksam machte, „dass die Rolle SA im Nahen Osten die ganze Region destabilisiert“. „Das ist schon ein toller Akt gewesen, der auch Aufregung in der Bundesregierung hervorgerufen hat.“

Der Wissenschaftler hält Sanktionen gegen den Oman wegen einer ähnlichen Haltung wie Katar zu Iran für möglich. Das Sultanat am Golf „könnte auch in die Schusslinie geraten“. „Sultan Qabus hat sich immer zurückgehalten und versucht, auszugleichen.“ Oman hatte ebenso wie Kuwait und Dubai die Sanktionen gegen Katar nicht unterstützt. Für den aktuell zugespitzten Konflikt könnte es aber noch einen anderen Hintergrund geben, auf den Ruf verwies: Katar ist neben Iran einer der weltweit größten Erdgas-Produzenten und -Exporteure. Beide beuten dasselbe Feld „South Pars“ im Persischen Golf aus. Dabei habe es bisher keine Schwierigkeiten zwischen beiden Ländern gegeben, so Ruf.

Doha und Teheran hätten kein Interesse, das reichhaltige Gasfeld zum Zankapfel zu machen: „Das sind gemeinsame Interessen, die natürlich wichtiger sind als irgendwelche Propaganda.“ Die USA ist aber inzwischen zum weltgrößten Produzenten von Erdgas aufgestiegen, indem durch das umstrittene „Fracking“ Schiefergas in US-Lagerstätten gefördert wird. Dafür werden Abnehmer gesucht, die sich aber bisher von anderen Produzenten beliefern lassen, unter anderem von Katar, vom Iran und auch von Russland.